Mir wurde gekündigt. Was muss ich jetzt tun?
Eine Kündigung wirft viele Fragen auf. Welche Fristen gelten? Wann muss ich mich beim RAV anmelden? Und wie gehe ich die Stellensuche am besten an? Hier findest du die wichtigsten Schritte und offiziellen Anlaufstellen in der Schweiz.
Das Wichtigste in Kürze
- Prüfe deine Kündigung und die geltenden Kündigungsfristen.
- Beginne bereits während der Kündigungsfrist mit der Stellensuche und dokumentiere deine Bewerbungen.
- Melde dich frühzeitig beim RAV an, spätestens am ersten Tag, für den du Arbeitslosenentschädigung beanspruchst.
- Fordere dein Arbeitszeugnis an und aktualisiere deine Bewerbungsunterlagen.
Die Kündigung ist da. Vielleicht hast du damit gerechnet, vielleicht kommt sie völlig überraschend.
Neben der Enttäuschung tauchen plötzlich viele Fragen auf: Wie lange bekomme ich noch Lohn? Muss ich mich sofort beim RAV anmelden? Wann muss ich mit der Stellensuche beginnen?
Hier erfährst du, welche Schritte nach einer Kündigung in der Schweiz wichtig sind, welche Fristen du beachten solltest und wo du Unterstützung bekommst.
1. Kündigung erhalten: Prüfe zuerst deine Unterlagen
Auch wenn du dich am liebsten sofort auf die Suche nach einer neuen Stelle machen möchtest, solltest du zuerst deinen Arbeitsvertrag und deine Kündigung prüfen.
In der Schweiz gelten gesetzliche Kündigungsfristen, sofern dein Arbeitsvertrag oder ein Gesamtarbeitsvertrag keine anderen zulässigen Regelungen vorsieht.
Wenn nichts anderes vereinbart wurde, gelten grundsätzlich folgende Fristen:
| Dauer der Anstellung | Gesetzliche Kündigungsfrist |
|---|---|
| Während der Probezeit | 7 Tage |
| Im 1. Dienstjahr | 1 Monat |
| Im 2. bis 9. Dienstjahr | 2 Monate |
| Ab dem 10. Dienstjahr | 3 Monate |
Nach der Probezeit gelten diese Fristen grundsätzlich auf das Ende eines Monats.
Wichtig: In bestimmten Situationen besteht ein besonderer Kündigungsschutz, beispielsweise bei Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft. Wenn du vermutest, dass deine Kündigung unzulässig ist, solltest du sie zeitnah durch eine Fachstelle prüfen lassen.
2. Beginne sofort mit der Stellensuche
Ein Punkt wird häufig unterschätzt: Du musst nicht erst dann Bewerbungen schreiben, wenn dein Arbeitsverhältnis beendet ist.
In der Schweiz bist du verpflichtet, bereits während der Kündigungsfrist zumutbare Anstrengungen zu unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
Das bedeutet konkret:
- Suche frühzeitig nach passenden Stellen.
- Bewirb dich regelmässig.
- Halte deine Bewerbungen und Kontakte schriftlich fest.
- Bewahre Absagen und andere Nachweise auf.
Warum ist das wichtig?
Wenn du später Arbeitslosenentschädigung beantragst, prüft das RAV auch deine Arbeitsbemühungen vor Beginn der Arbeitslosigkeit. Fehlende oder ungenügende Bemühungen können zu Einstelltagen führen. Das bedeutet, dass du vorübergehend keine Arbeitslosenentschädigung erhältst.
Mein Tipp: Lege dir gleich zu Beginn eine einfache Tabelle an. Halte darin Datum, Unternehmen, Stelle, Kontaktperson und Ergebnis deiner Bewerbung fest.
3. Melde dich frühzeitig beim RAV an
Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum, kurz RAV, unterstützt dich bei der Stellensuche.
Wenn du arbeitslos wirst, solltest du dich möglichst frühzeitig anmelden, idealerweise bereits während der Kündigungsfrist. Spätestens am ersten Tag, für den du Arbeitslosenentschädigung beanspruchst, muss die Anmeldung erfolgen.
Die Anmeldung ist online oder beim zuständigen RAV möglich.
Für die Anmeldung und das Erstgespräch werden unter anderem deine AHV-Nummer, ein amtlicher Ausweis und Nachweise deiner bisherigen Arbeitsbemühungen benötigt. Welche weiteren Unterlagen erforderlich sind, erfährst du beim zuständigen RAV.
Gut zu wissen: Das RAV ist für die Beratung und Stellenvermittlung zuständig. Die Arbeitslosenkasse prüft deinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und ist für deren Auszahlung zuständig.
4. Fordere dein Arbeitszeugnis an
Ein aktuelles Arbeitszeugnis gehört zu einem vollständigen Bewerbungsdossier.
Du hast in der Schweiz grundsätzlich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Du kannst es auch bereits während des laufenden Arbeitsverhältnisses verlangen.
Kontrolliere insbesondere:
- Stimmen deine Funktion und Tätigkeiten?
- Sind wichtige Aufgaben und Verantwortlichkeiten aufgeführt?
- Ist die Beurteilung deiner Leistungen nachvollziehbar?
- Ist das Zeugnis vollständig und korrekt?
Falls du mit Formulierungen nicht einverstanden bist, kannst du eine Überprüfung oder Berichtigung verlangen.
5. Überprüfe deinen Lebenslauf und dein LinkedIn-Profil
Jetzt beginnt neben den organisatorischen Aufgaben auch die berufliche Neuorientierung.
Vielleicht hast du seit zehn oder zwanzig Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben. Vielleicht war LinkedIn für dich bisher einfach ein berufliches Netzwerk.
Bevor du wahllos Bewerbungen verschickst, lohnt sich eine kurze Standortbestimmung.
Überlege dir:
Was kann ich besonders gut?
Welche Fähigkeiten, Erfahrungen und Erfolge bringst du mit?
Was möchte ich künftig machen?
Suchst du eine ähnliche Stelle oder möchtest du dich beruflich verändern?
Wie zeige ich meine Erfahrung?
Sind dein Lebenslauf und dein LinkedIn-Profil aktuell? Wird deutlich, welchen Mehrwert du einem Unternehmen bieten kannst?
Gerade bei einer langjährigen Berufslaufbahn lohnt es sich, die eigene Erfahrung neu zu betrachten. Vieles, was für dich selbstverständlich geworden ist, kann für einen künftigen Arbeitgeber besonders wertvoll sein.
6. Wo bekommst du Unterstützung?
Du musst die nächsten Schritte nicht allein organisieren. In der Schweiz gibt es unterschiedliche Anlaufstellen.
RAV: Beratung und Stellenvermittlung
Das zuständige RAV unterstützt dich bei der Stellensuche und informiert dich über mögliche arbeitsmarktliche Massnahmen.
Arbeitslosenkasse: Finanzielle Leistungen
Die Arbeitslosenkasse klärt deinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und beantwortet Fragen zur Auszahlung.
Fachstellen für Arbeitsrecht
Bei Streitigkeiten über Kündigungsfristen, Arbeitszeugnisse oder besondere Kündigungsschutzbestimmungen können Gewerkschaften, Rechtsschutzversicherungen oder spezialisierte Rechtsberatungen weiterhelfen.
Job Coaching: Berufliche Orientierung
Wenn du deine beruflichen Ziele neu definieren, deine Bewerbungsstrategie entwickeln oder dein LinkedIn-Profil gezielt einsetzen möchtest, kann dich eine individuelle Begleitung unterstützen.
Checkliste: Die ersten Schritte nach einer Kündigung
Hake ab, was du bereits erledigt hast.
Das Wichtigste zum Schluss
Eine Kündigung kann vieles durcheinanderbringen. Neben den finanziellen und organisatorischen Fragen geht es häufig auch um die eigene berufliche Zukunft.
Du musst nicht sofort wissen, wie dein nächster Job aussehen soll. Wichtig ist, dass du die notwendigen Fristen beachtest, Unterstützung nutzt und dir anschliessend Zeit für eine durchdachte Stellensuche nimmst.
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Offizielle Informationen und weiterführende Links
- arbeit.swiss: Erste Schritte nach einer Kündigung
- arbeit.swiss: Anmeldung und Registrierung beim RAV
- arbeit.swiss: Beratung und Vermittlung durch das RAV
Stand der fachlichen Prüfung: 8. Oktober 2026.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zum Schweizer Arbeitsrecht und zur Stellensuche. Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei besonderen Vertragsbedingungen oder rechtlichen Streitigkeiten empfiehlt sich die Abklärung durch eine qualifizierte Fachstelle.
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