Sechs Personen, derselbe KI-Prompt und sechs unterschiedliche Ergebnisse
Sechs Personen sitzen in einem Schulungsraum. Alle erhalten dieselbe Aufgabe, alle verwenden denselben Prompt. Eigentlich könnte man erwarten, dass die Ergebnisse ziemlich ähnlich ausfallen.
Taten sie aber nicht.
Diese Übung haben wir kürzlich in meiner Weiterbildung «Jobcoach für Bewerbungskurse» bei CreaLengo gemacht. Es ging darum, mit KI Inhalte für ein berufliches Beispiel zu erarbeiten.
Und obwohl wir alle mit derselben Ausgangslage gearbeitet haben, lieferte die KI unterschiedliche Antworten.
Das fand ich spannend. Gleichzeitig hat es mir nochmals gezeigt, wie wichtig es ist, die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Besonders dann, wenn Menschen KI für ihre Bewerbungen nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Derselbe KI-Prompt führt nicht zwingend zu identischen Antworten.
- KI kann bei Bewerbungen unterstützen, kennt aber deine tatsächlichen Erfahrungen und Fähigkeiten nicht automatisch.
- Ein sprachlich überzeugender Text ist noch lange keine gute Bewerbung.
- Wer KI nutzt, sollte die Ergebnisse überprüfen und an die eigene Situation anpassen.
Gleicher Prompt, unterschiedliche Antworten. Wie kann das sein?
In unserer Übung arbeiteten wir alle mit derselben Aufgabenstellung. Trotzdem kamen unterschiedliche Ergebnisse heraus. Das liegt unter anderem daran, dass generative KI Texte auf Basis von Wahrscheinlichkeiten erzeugt. Je nach Modell, Einstellungen und bisherigem Gesprächsverlauf können die Antworten unterschiedlich ausfallen.
Ein Prompt ist deshalb kein Garant für ein bestimmtes Ergebnis.
Und genau das finde ich für die Arbeit mit Stellensuchenden wichtig. Wer einmal einen Text von ChatGPT erstellen lässt, bekommt möglicherweise eine völlig andere Version als beim nächsten Versuch.
Welche davon ist nun die richtige?
Vielleicht keine. Vielleicht enthält jede Version etwas Brauchbares. Aber entscheiden muss am Schluss immer noch der Mensch.
Was bedeutet das für eine Bewerbung?
Stell dir vor, jemand hat 25 Jahre im Lager gearbeitet und möchte sich auf eine neue Stelle bewerben. Die Person gibt ihren bisherigen Beruf, ein paar Stichworte und ein Stelleninserat in ChatGPT ein. Innerhalb weniger Sekunden entsteht ein Bewerbungsschreiben. Schön formuliert, professionell und möglicherweise sogar ziemlich überzeugend.
Aber stimmt auch alles?
Hat die Person tatsächlich ein Team geführt? Verfügt sie über die erwähnten IT-Kenntnisse? Hat sie wirklich Prozesse optimiert, wie es die KI vielleicht formuliert?
KI kann aus wenigen Stichworten schnell eine überzeugend klingende Geschichte machen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Geschichte wahr ist.
Und spätestens im Vorstellungsgespräch wird es unangenehm, wenn man die eigenen Aussagen nicht erklären kann.
Warum mich das gerade als angehender Job Coach beschäftigt
Seit vielen Jahren arbeite ich mit digitalen Werkzeugen, beschäftige mich mit LinkedIn und gebe Schulungen. Ich nutze KI selbst und finde sie für viele Aufgaben hilfreich. Gerade beim Schreiben, beim Strukturieren von Gedanken oder wenn ich eine andere Perspektive brauche. Aber in meiner Weiterbildung zum Job Coach beschäftige ich mich zunehmend mit Menschen, die vielleicht seit zehn oder zwanzig Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben haben.
Für sie kann KI eine echte Unterstützung sein.
Sie kann helfen, die eigenen Erfahrungen in Worte zu fassen. Oder Vorschläge machen, wie ein Lebenslauf verständlicher aufgebaut werden könnte. Doch dabei dürfen wir etwas Entscheidendes nicht vergessen:
Eine Bewerbung muss zur Person passen, die sie verschickt.
Ich möchte deshalb künftig mit meinen Klientinnen und Klienten nicht einfach den perfekten Prompt suchen. Ich möchte mit ihnen anschauen, welche Antworten sinnvoll sind, was fehlt, was vielleicht übertrieben ist und wie sie ihre eigenen Fähigkeiten überzeugend beschreiben können.
Denn die KI kennt den Menschen hinter dem Lebenslauf nicht.
Wie kannst du KI bei deiner Bewerbung sinnvoll einsetzen?
Ich würde KI zunächst als Sparringspartner einsetzen. Beispielsweise mit diesen Aufgaben:
1. Eigene Kompetenzen erkennen
Beschreibe deine bisherigen Tätigkeiten und frage die KI, welche übertragbaren Kompetenzen darin stecken könnten.
Prüfe danach selbst, welche Vorschläge wirklich auf dich zutreffen.
2. Ein Stelleninserat besser verstehen
Lass dir erklären, welche Anforderungen ein Unternehmen stellt und welche deiner Fähigkeiten dazu passen könnten.
3. Texte überarbeiten
Du hast bereits ein Bewerbungsschreiben verfasst? Bitte die KI, den Text auf Verständlichkeit, Wiederholungen und unklare Aussagen zu prüfen.
Wichtig: Übernimm die Vorschläge nicht ungeprüft.
Und was ist mit dem Datenschutz?
Gerade bei Bewerbungen ist Vorsicht angebracht. Ein Lebenslauf enthält zahlreiche persönliche Angaben. Dazu gehören Kontaktdaten, frühere Arbeitgeber und möglicherweise weitere sensible Informationen. Überlege dir deshalb gut, welche Informationen du in ein KI-Werkzeug eingibst.
Für erste Übungen reichen häufig anonymisierte Angaben oder eine allgemeine Beschreibung deiner beruflichen Tätigkeit. Informiere dich auch über die Datenschutz- und Speichereinstellungen des verwendeten Dienstes.
Was ich aus dieser Übung mitnehme
Unsere kleine Übung mit sechs Personen war für mich eine gute Erinnerung daran, dass KI keine fertigen Wahrheiten liefert. Sie macht Vorschläge. Manchmal sehr gute. Manchmal durchschnittliche. Und manchmal solche, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt darauf gekommen ist.
Deshalb werde ich auch in meiner künftigen Arbeit als Job Coach darauf achten, dass KI eine Unterstützung bleibt. Ein guter Bewerbungstext muss fachlich stimmen, zur ausgeschriebenen Stelle passen und vor allem glaubwürdig sein.
Die beste KI-Bewerbung ist für mich diejenige, bei der man am Schluss noch den Menschen dahinter erkennt.
Drei Fragen, die du dir vor dem Versenden stellen solltest
Stimmen sämtliche Aussagen über meine Erfahrung und meine Fähigkeiten?
Würde ich diese Formulierungen auch in einem Vorstellungsgespräch verwenden?
Klingt der Text nach mir oder nach einer beliebigen Bewerbungsvorlage?
Wenn du eine dieser Fragen nicht überzeugend beantworten kannst, lohnt sich eine weitere Überarbeitung.
Häufige Fragen zu KI bei Bewerbungen
Darf ich ChatGPT für meine Bewerbung verwenden?
Grundsätzlich ja. Du kannst KI nutzen, um Texte zu formulieren, Ideen zu entwickeln oder deine Unterlagen zu überarbeiten. Entscheidend ist, dass deine Angaben wahrheitsgetreu bleiben.
Erkennt ein Unternehmen, ob meine Bewerbung mit KI geschrieben wurde?
Nicht zuverlässig allein anhand des Textes. Automatische KI-Erkennung ist fehleranfällig. Allgemeine Formulierungen können allerdings unpersönlich wirken. Achte deshalb auf konkrete Erfahrungen und deine eigene Ausdrucksweise.
Kann KI auch meinen Lebenslauf erstellen?
Ja, KI kann dir bei der Strukturierung und Formulierung helfen. Prüfe jedoch alle Angaben sorgfältig und achte darauf, welche persönlichen Daten du mit dem verwendeten Werkzeug teilst.
Brauche ich für eine gute KI-Bewerbung einen perfekten Prompt?
Nein. Ein klar formulierter Auftrag hilft, aber oft entsteht ein brauchbares Ergebnis erst durch Rückfragen, zusätzliche Informationen und mehrere Überarbeitungen.
Kann KI bei der Jobsuche helfen?
Ja, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. KI kann beispielsweise bei der Analyse von Stelleninseraten, beim Strukturieren von Bewerbungsunterlagen oder bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche unterstützen. Wichtig ist, dass deine Bewerbung trotzdem persönlich bleibt und zu dir passt.
Muss ich auf LinkedIn regelmässig Beiträge schreiben?
Nein. Für eine erfolgreiche Jobsuche ist es nicht zwingend notwendig, ständig Content zu veröffentlichen. Viel wichtiger ist ein klares Profil, ein sinnvolles Netzwerk und eine Positionierung, die zeigt, was du kannst und wonach du suchst.
Für wen eignet sich dein Angebot besonders?
Mein Angebot richtet sich vor allem an Menschen mit Berufserfahrung, die sich neu orientieren, nach vielen Jahren wieder bewerben oder ihren nächsten beruflichen Schritt bewusst vorbereiten möchten. Dazu gehören Fachkräfte, SpezialistInnen, Projektleitende sowie Team, Bereichs und Führungskräfte.
Wie läuft ein erstes Gespräch ab?
In einem kurzen Erstgespräch schauen wir, wo du aktuell stehst und wobei du Unterstützung brauchst. Danach kann ich dir sagen, welches Angebot für deine Situation sinnvoll ist.
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Du musst deinen beruflichen Weg nicht alleine finden.
Manchmal hilft ein Blick von aussen, um die eigenen Stärken wieder klarer zu sehen, neue Möglichkeiten zu entdecken und den nächsten Schritt zu wagen.
Vielleicht möchtest du dich beruflich verändern, suchst eine neue Stelle oder fragst dich, wie du deine langjährige Erfahrung besser sichtbar machen kannst. Gerade wenn du schon viel geleistet hast, ist es manchmal gar nicht so einfach, die eigenen Kompetenzen auf den Punkt zu bringen.
Ich unterstütze dich dabei, Klarheit über deine beruflichen Ziele zu gewinnen, deine Stärken überzeugend zu präsentieren und LinkedIn gezielt für deine berufliche Zukunft zu nutzen. Mit Erfahrung, ehrlichem Feedback und einem offenen Ohr für deine persönliche Situation.
Denn dein beruflicher Weg muss nicht perfekt geradeaus verlaufen. Wichtig ist, dass er zu dir passt.





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