Eine Kündigung ist mehr als der Verlust einer Arbeitsstelle
Stell dir vor, du arbeitest seit 20 Jahren im gleichen Unternehmen. Du kennst die Abläufe, deine KollegInnen, die Kundschaft. Du weisst, wo du gebraucht wirst, und hast schon manche schwierige Situation gemeistert.
Und dann kommt die Kündigung.
Plötzlich ist vieles, was jahrelang selbstverständlich war, nicht mehr sicher. Der Arbeitsplatz fällt weg. Die vertrauten Menschen fehlen. Und vielleicht taucht eine Frage auf, die du dir schon lange nicht mehr gestellt hast: Wer bin ich eigentlich ohne meinen Job?
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Kündigung kann neben finanziellen Sorgen auch das Selbstvertrauen und die berufliche Identität erschüttern.
- Nach vielen Jahren im gleichen Unternehmen fällt eine Neuorientierung oft besonders schwer.
- Deine Fähigkeiten und Erfahrungen verschwinden nicht mit dem Arbeitsplatz.
- Du musst nicht sofort deinen nächsten Beruf kennen. Eine ehrliche Standortbestimmung kann dir helfen, wieder eine Richtung zu finden.
Wenn der Beruf ein Teil deiner Identität geworden ist
«Und was machst du beruflich?»
Diese Frage stellen wir erstaunlich oft, wenn wir jemanden kennenlernen. Meistens antworten wir mit unserer Funktion, unserem Beruf oder dem Namen des Unternehmens.
Aber was antwortest du, wenn du diesen Job plötzlich nicht mehr hast?
Gerade Menschen, die lange im gleichen Unternehmen gearbeitet haben, identifizieren sich häufig stark mit ihrer Tätigkeit. Sie haben Verantwortung übernommen, Beziehungen aufgebaut und sich über Jahre weiterentwickelt.
Mit einer Kündigung kann deshalb mehr verloren gehen als das monatliche Einkommen. Auch das Gefühl, gebraucht zu werden, und ein vertrauter Teil des Alltags fallen weg.
Wie stark jemanden das trifft, ist individuell. Manche empfinden nach einer Kündigung sogar Erleichterung, weil sie schon länger unzufrieden waren. Andere brauchen Zeit, um das Erlebte überhaupt einzuordnen.
Beides darf sein.
25 Jahre Erfahrung. Und plötzlich Selbstzweifel?
Was mich an diesem Thema besonders beschäftigt: Menschen können jahrzehntelang gute Arbeit leisten und trotzdem nach einer Kündigung an ihren Fähigkeiten zweifeln.
Plötzlich tauchen Fragen auf wie:
«Bin ich mit 55 überhaupt noch gefragt?»
«Kann ich mit den heutigen Anforderungen mithalten?»
«Was habe ich ausser meiner bisherigen Tätigkeit eigentlich anzubieten?»
Dabei gehen mit einer Kündigung weder die Berufserfahrung noch die erworbenen Kompetenzen verloren.
Was manchmal fehlt, ist der Blick darauf, welchen Wert diese Erfahrungen ausserhalb des bisherigen Unternehmens haben.
Wer seit 20 Jahren im gleichen Betrieb arbeitet, hat sich möglicherweise lange nicht mehr mit dem eigenen beruflichen Profil beschäftigt. Und vieles, was man gut kann, wird irgendwann selbstverständlich.
Genau da würde ich ansetzen.
Was ich aus meiner eigenen beruflichen Entwicklung mitgenommen habe
Mein beruflicher Weg verlief ebenfalls nicht einfach geradlinig. Ich habe im Personalwesen gearbeitet, mich später intensiv mit digitalen Themen beschäftigt, bin selbstständig geworden und bilde mich aktuell zum Job Coach weiter.
Dabei habe ich erlebt, dass sich berufliche Interessen und Möglichkeiten verändern können. Manche Fähigkeiten begleiten einen über viele Jahre, auch wenn sich die Tätigkeit verändert.
Heute verbinde ich meine Erfahrung mit LinkedIn, Online-Marketing und Erwachsenenbildung mit dem Wissen aus meiner Job-Coaching-Ausbildung.
Was mich dabei besonders interessiert, sind die Fähigkeiten, die Menschen mitbringen, aber selbst kaum noch wahrnehmen.
Ich finde es spannend, gemeinsam genauer hinzuschauen: Was kannst du eigentlich alles? Was hast du über die Jahre gelernt? Und was davon könnte auch in einem anderen beruflichen Umfeld gefragt sein?
Denn manchmal braucht es einen Blick von aussen, um die eigenen Stärken wieder zu erkennen.
Muss es nochmals derselbe Beruf sein?
Nach einer Kündigung suchen viele Menschen zunächst nach einer ähnlichen Stelle. Das ist nachvollziehbar. Die bisherige Tätigkeit ist vertraut, und man weiss, welche Anforderungen dazugehören.
Trotzdem lohnt sich die Frage, ob du wirklich wieder genau dasselbe machen möchtest.
Vielleicht hast du in den letzten Jahren gemerkt, dass dir bestimmte Aufgaben besonders Freude machen. Andere möchtest du lieber nicht mehr übernehmen.
Vielleicht kannst du dein Wissen in einer anderen Branche einsetzen. Oder du möchtest künftig weniger Führungsverantwortung, dafür mehr direkten Kontakt mit Menschen.
Eine berufliche Neuorientierung muss nicht bedeuten, nochmals ganz von vorne anzufangen. Manchmal genügt eine Veränderung des Aufgabenbereichs oder des beruflichen Umfelds.
Allerdings sollte man dabei realistisch bleiben. Wünsche, Qualifikationen, finanzielle Möglichkeiten und die tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsmarkts müssen zusammenpassen.
Drei Fragen für deine persönliche Standortbestimmung
Wenn du gerade vor einer beruflichen Veränderung stehst, nimm dir etwas Zeit für diese Fragen.
1. Welche Aufgaben habe ich besonders gerne gemacht?
Denke dabei nicht nur an deine offizielle Funktion. Vielleicht warst du die Person, die neue Mitarbeitende eingearbeitet, Konflikte gelöst oder schwierige Kundenanfragen übernommen hat.
2. Was kann ich gut, das für mich selbstverständlich ist?
Frage ruhig auch Menschen aus deinem beruflichen Umfeld. Häufig nehmen andere unsere Fähigkeiten deutlicher wahr als wir selbst.
3. Was möchte ich beruflich nicht mehr?
Auch diese Frage ist hilfreich. Vielleicht möchtest du keine Schichtarbeit mehr, weniger administrative Tätigkeiten oder einen kürzeren Arbeitsweg.
Aus den Antworten entsteht noch kein fertiger Karriereplan. Aber du bekommst erste Anhaltspunkte dafür, in welche Richtung du weiterdenken kannst.
Was ich dir zum Schluss mitgeben möchte
Eine Kündigung ist nicht automatisch der Beginn von etwas Besserem. Manchmal ist sie zunächst einfach schmerzhaft, ärgerlich oder mit grossen Sorgen verbunden.
Ich finde deshalb wenig hilfreich, wenn Menschen nach einem Stellenverlust sofort hören, sie sollten darin eine Chance sehen.
Vielleicht wird daraus irgendwann eine neue Möglichkeit. Vielleicht findest du eine Stelle, die besser zu dir passt. Vielleicht entdeckst du Fähigkeiten, die du bisher kaum genutzt hast.
Aber zuerst darfst du dir die Zeit nehmen, deine Situation einzuordnen.
Deine bisherige Arbeit ist ein Teil deiner Geschichte. Sie definiert aber nicht deinen gesamten beruflichen Wert.
Und 20 oder 30 Jahre Erfahrung sind nicht einfach weg, weil ein Arbeitsvertrag endet.
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Du musst deinen beruflichen Weg nicht alleine finden.
Manchmal hilft ein Blick von aussen, um die eigenen Stärken wieder klarer zu sehen, neue Möglichkeiten zu entdecken und den nächsten Schritt zu wagen.
Vielleicht möchtest du dich beruflich verändern, suchst eine neue Stelle oder fragst dich, wie du deine langjährige Erfahrung besser sichtbar machen kannst. Gerade wenn du schon viel geleistet hast, ist es manchmal gar nicht so einfach, die eigenen Kompetenzen auf den Punkt zu bringen.
Ich unterstütze dich dabei, Klarheit über deine beruflichen Ziele zu gewinnen, deine Stärken überzeugend zu präsentieren und LinkedIn gezielt für deine berufliche Zukunft zu nutzen. Mit Erfahrung, ehrlichem Feedback und einem offenen Ohr für deine persönliche Situation.
Denn dein beruflicher Weg muss nicht perfekt geradeaus verlaufen. Wichtig ist, dass er zu dir passt.





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